KI-Schulung für Mitarbeitende: Was Du heute verlangen kannst | Handwerk.live
Ab sofort nimmst Du Deinen Mitarbeitenden den Akkuschrauber weg

Ab sofort nimmst Du Deinen Mitarbeitenden den Akkuschrauber weg

Thorsten Moortz
26. August 2026

KI im Handwerk: Mitarbeitende richtig einbinden und schulen

"Stell dir mal vor, du würdest zu deinen Mitarbeitenden gehen und sagen: So, ab sofort stellen wir das Arbeiten mit den Akkuschraubern ein." Mit diesem Satz beginnt die neue Folge des Podcasts Handwerksimpulse. Die Begründung dazu: Der Akkuschrauber sei keine richtige Handwerksleistung, viel zu schnell, und die Kundschaft habe das Gefühl, das sei keine richtige Arbeit. Am Schluss zahle sie weniger, weil die Arbeit schneller fertig ist. Kein Betrieb würde so vorgehen. 

Bei der KI (Künstliche Intelligenz) läuft die Diskussion im Betrieb gerade genau so – und deshalb geht es in dieser Folge um die Anforderungen an Deine Mitarbeitenden und um die KI-Schulung für Mitarbeitende, die dazugehört.


Betriebe werden großzügig, und zwar aus dem falschen Grund

Die Nachsicht wächst gerade auf der Führungsebene. "Ich stelle immer stärker fest, dass jetzt auch die Unternehmerinnen und Unternehmer da draußen anfangen, großzügig zu werden", heißt es in der Folge.

Der Grund sind drei Sätze, die im Betrieb fallen: Mit der KI komme ich nicht gut klar. Ich weiß nicht, was ich damit anwenden soll. Sie spart mir keine Zeit. Diese Sätze bleiben unbeantwortet, und damit bleibt die Nutzung freiwillig.

Warum KI im Betrieb zuerst die Qualität hebt, warum Schulung Pflicht ist und welcher Prompt den Anfang macht

Die Qualität der Arbeit steigt, das Tempo noch nicht. Das ist die Beobachtung der letzten Monate, und sie betrifft vor allem die Dokumentation: Tagesberichte und Ausarbeitungen werden besser.

Dazu kommt ein Effekt, der in keiner Zeitrechnung auftaucht. Manche Aufgaben werden überhaupt erst erledigt. "Das heißt, jetzt wird tatsächlich etwas gemacht, was vorher überhaupt gar nicht erst erledigt wurde." Wer bisher keinen Tagesbericht geschrieben hat, hat jetzt einen.

Wer die KI nur an gesparten Minuten messen will, verliert genau diesen Gewinn aus dem Blick.

Ein Beispiel aus der Praxis: der eingesprochene Änderungsauftrag

Die Ausgangslage: Ein Änderungsauftrag entsteht auf der Baustelle und muss ins Büro. Bisher passiert das über Zuruf, Zettel oder gar nicht.

Die Maßnahme: Der Mitarbeitende spricht den Änderungsauftrag in eine Oberfläche ein. Daraus entsteht automatisch eine Änderungsmitteilung. Diese Mitteilung geht automatisch weiter.

Das Ergebnis: 8 Minuten hier, 8 Minuten da. "Das sind also solche Prozessschritte, die so täglich mal hier 8 Minuten, da 8 Minuten sparen und die bringen es auch wirklich." Kleine Schritte, die im Alltag tragen – keine große Automatisierung.

Als Werkzeug kommt dabei JASBO zum Einsatz, eine Benutzeroberfläche, die im Bereich der DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) sehr sicher aufgestellt ist. Mit einer Einschränkung, die in der Folge klar benannt wird: Wer personenbezogene Daten einlädt, die er nicht einladen darf, verursacht ein Problem. "Aber das hat nichts mit der KI zu tun. Das hat allgemein was mit der Nutzung von Computern zu tun."

Warum die Prozessautomatisierung noch nicht läuft

Die Prozesse liefen früher nicht von allein, sondern an Einzelpersonen. Sie wurden immer wieder neu angestoßen und neu erfunden, weil sich jemand darum gekümmert hat. Wer diesen Ablauf automatisieren will, findet kein Fundament vor, das er automatisieren könnte.

Der zweite Grund sind die Daten. Sie liegen noch nicht in den Systemen, mit denen produktiv gearbeitet werden soll. Das gilt auch für handwerk.live selbst: "Wir selbst im handwerk.live struggle damit, dass wir sagen, wo wir eigentlich welche Daten ablegen, damit wir darauf zugreifen und damit arbeiten können."

Die Reihenfolge ist deshalb umgekehrt, als viele sie planen. Erst werden die Prozesse strukturiert. Danach laufen sie vielleicht auf Autopilot.

Warum die KI-Schulung für Mitarbeitende Pflicht ist

Wer eine KI im Betrieb einsetzt, ist gesetzlich verpflichtet, seine Mitarbeitenden im Umgang damit zu schulen. Das ist die eine Seite.

Die andere Seite ist der Arbeitsalltag. Dort fehlt die Zeit, sich mit einem neuen System auseinanderzusetzen. Und in der Freizeit setzt sich kaum jemand freiwillig an Gemini, Claude, ChatGPT oder Perplexity, um damit zu spielen.

Erfahrung ist trotzdem vorhanden. Jede Suche bei Google liefert inzwischen eine generierte Antwort. Nur denkt fast niemand weiter und fragt, was mit diesen Systemen sonst noch geht. Der Vergleich aus der Folge trifft es: Wer nie einen Automatikwagen gefahren hat, vermisst ihn nicht. Wer pendelt und einmal einen hatte, will ihn wiederhaben. Genauso läuft es mit der KI.

Die sechs Schritte für Deinen Betrieb

  1. Erwartung festlegen. Schreibe auf, was die KI zum Stand heute im Betrieb leisten soll und womit Deine Mitarbeitenden arbeiten sollen.
  2. Recherchequellen klären. Prüfe, welche Daten bereits vorliegen und welche Du Deinen Mitarbeitenden zur Verfügung stellst.
  3. Rahmen und Zugang geben. Eine gesicherte Oberfläche, ein Login, Vorlagen für wiederkehrende Fälle.
  4. Je Arbeitsbereich schulen. Getrennt für Hilfsarbeitende, für gelernte Fachkräfte auf der Baustelle und für das Büro. Die erste Frage ist immer dieselbe: Was kann KI zum Stand heute für Dich leisten?
  5. Den ersten Prompt vorgeben. Prompt heißt Eingabe an die KI. Gib den technikaffinen Mitarbeitenden diesen mit: "Ich bin Anlagenmechaniker SHK, wobei könnte mich die KI in der täglichen Arbeit unterstützen? Nur mit Hilfe von Textchats und von Recherchen, mehr nicht."
  6. Prozesse strukturieren. Erst der geordnete Ablauf, dann die Automatisierung.

Der Nutzen in drei Punkten

  • Die Dokumentation gewinnt an Qualität, besonders bei Tagesberichten und Ausarbeitungen.
  • Aufgaben, die vorher liegen blieben, werden erledigt.
  • Kleine Prozessschritte sparen 8 Minuten je Vorgang, mehrfach am Tag.

Der nächste Schritt

Setze Dich hin und schreibe die Erwartungshaltung für Deinen Betrieb auf, in einem Satz je Arbeitsbereich. Gib danach den Prompt aus Schritt 5 an die zwei Mitarbeitenden weiter, die am ehesten mit Technik arbeiten.

Was in der Folge zusätzlich steckt

In der Folge Handwerksimpulse hörst Du die vollständige Akkuschrauber-Provokation, den Grund, warum Prozessautomatisierung an Einzelpersonen hängt, und die Einordnung, warum Schulungen im Arbeitsalltag nicht nebenbei laufen. Wer die Diskussion im eigenen Betrieb führen will, bekommt dort die Argumente in der Reihenfolge, in der sie im Gespräch tragen.

FAQ

Was bringt KI im Handwerksbetrieb heute wirklich?

Sie hebt die Qualität der Arbeit, vor allem bei der Dokumentation. Tagesberichte und Ausarbeitungen werden besser. Ein deutlicher Zeitgewinn steht nach den Beobachtungen der letzten Monate noch nicht im Vordergrund. Dafür wird manches überhaupt erst erledigt, was vorher liegen blieb.

Muss ich meine Mitarbeitenden im Umgang mit KI schulen?

Ja. Wer eine KI im Betrieb einsetzt, ist gesetzlich verpflichtet, die Mitarbeitenden im Umgang damit zu schulen. Unabhängig davon fehlt im Arbeitsalltag die Zeit, sich das selbst beizubringen.

Meine Mitarbeitenden sagen, die KI spart ihnen keine Zeit. Was antworte ich?

Dass das zum Stand heute stimmen kann und trotzdem kein Argument ist. Der Gewinn liegt aktuell in der Qualität und darin, dass Aufgaben erledigt werden. Dazu kommen die kleinen Schritte von 8 Minuten, die sich über den Tag summieren.

Warum läuft die Prozessautomatisierung in meinem Betrieb nicht?

Weil die Prozesse vorher an Einzelpersonen hingen. Sie liefen nur, weil jemand sie immer wieder neu angestoßen hat. Dazu fehlen die Daten in den Systemen. Erst strukturieren, dann automatisieren.

Welche KI-Systeme werden in der Folge genannt?

Gemini, Claude, ChatGPT und Perplexity als allgemein zugängliche Systeme. Dazu JASBO als Oberfläche für den Einsatz im Betrieb, mit Login, Vorlagen und Weiterleitung.

Wie sicher sind personenbezogene Daten in einer KI?

Eine gesicherte Oberfläche wie JASBO ist im Bereich der DSGVO sehr sicher aufgestellt. Verhindern lässt sich nicht alles: Wer Daten einlädt, die er nicht verarbeiten darf, verursacht ein Problem. Das betrifft die Nutzung von Computern insgesamt, nicht die KI allein.

Welcher Prompt eignet sich für den Anfang?

Dieser: "Ich bin [Beruf], wobei könnte mich die KI in der täglichen Arbeit unterstützen? Nur mit Hilfe von Textchats und von Recherchen, mehr nicht." Der Nachsatz ist wichtig, damit die Antwort im heute Machbaren bleibt.

Wen schule ich zuerst?

Die Mitarbeitenden mit Technikaffinität. Sie tragen die Erfahrung weiter. Die Schulung selbst gehört danach in jeden Arbeitsbereich: Hilfsarbeitende, gelernte Fachkräfte auf der Baustelle und das Büro.

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