KI-Governance: Warum wir uns vor dem Falschen fürchten – und das Richtige vergessen

KI-Governance: Warum wir uns vor dem Falschen fürchten – und das Richtige vergessen

Thorsten Moortz
25. Februar 2026

In Industrie, Handel und Handwerk höre ich gerade überall das Gleiche:
„Mit KI müssen wir vorsichtig sein. Cyberrisiko. Datenschutz. Compliance.“

Ja. Müssen wir.
Aber das ernüchternde Ergebnis: Viele übertreiben die Risiken – und unterschätzen das eigentliche Problem.

Nicht die KI ist das größte Risiko. Sondern unklare Prozesse, schlechte Daten und Führung ohne Struktur.

Und genau da beginnt mein Ansatz.


Das Missverständnis: KI ist nicht das Risiko – Chaos ist es

In der Industrie werden Richtlinien geschrieben und Freigabestufen definiert.
Im Handel diskutiert man über Datensicherheit.
Im Handwerk wird häufig erst einmal komplett gebremst.

Ich sage es deutlich:

„Chaos lässt sich nicht digitalisieren.“

Wenn dein Prozess heute unklar ist, wird er mit KI nicht sicherer.
Wenn deine Daten unstrukturiert sind, wird keine Governance der Welt das retten.

Viele Unternehmen bauen Schutzmauern um etwas, das sie noch nicht einmal sauber eingeführt haben.


Cyberrisiko – nüchtern betrachtet

Natürlich gibt es Risiken.
Natürlich brauchst du Regeln.

Aber wir müssen unterscheiden:

  • Offene, unkontrollierte Nutzung ohne Vorgaben → echtes Risiko
  • Strukturierte Nutzung mit klarer Rollenverteilung → beherrschbar

KI ist kein Hacker.
KI ist ein Werkzeug.

Werkzeuge sind nur so gefährlich wie der Mensch, der sie falsch einsetzt.

„Der beste Datenschutz beginnt mit gesundem Menschenverstand.“

In meinen Projekten gilt:

  • Keine sensiblen Daten in offene Systeme
  • Rollen und Rechte klar definieren
  • Prozesse beschreiben, bevor sie automatisiert werden
  • Vier-Augen-Prinzip bei externen Dokumenten

Das ist keine Theorie. Das ist saubere Organisation.


Das eigentliche Risiko: Nicht anfangen

Industrieunternehmen arbeiten mit komplexen ERP-Systemen.
Der Handel nutzt Warenwirtschaft, DMS und CRM.
Handwerksbetriebe kämpfen mit Insellösungen.

Und überall höre ich:

„Wir warten noch. Erst wenn alles rechtssicher geklärt ist.“

Währenddessen lernen andere.

KI ist eine Lerntechnologie.

„Wer KI ignoriert, wird morgen mit der Taschenlampe im digitalen Maschinenraum stehen.“


Mein Ansatz: Erst Struktur, dann Automatisierung

Ich arbeite nicht mit Hype. Und nicht mit Angst.
Sondern mit Struktur.

1. Perfekte Fragen stellen

Wenn du nicht weißt, was passieren soll, weiß es die KI auch nicht.

2. Prozesse beschreiben

Wer macht was, womit, in welcher Reihenfolge?

„Wer seine Prozesse kennt, kann sie später automatisieren.“

3. Daten sauber aufbereiten

Chaos rein = Chaos raus.

„Automatisieren mit schlechten Daten ist wie Autofahren mit beschlagenen Scheiben.“

Erst wenn diese drei Punkte stehen, sprechen wir über Governance und Compliance im Detail.


Industrie: Vom Pilotprojekt zur echten Integration

In der Industrie sehe ich oft große Strategieprojekte.
Monatelange Konzepte.
Workshops.
Beraterarmeen.

Parallel nutzen Mitarbeitende privat längst KI.

Das ist die gefährlichste Kombination:
Offizielle Blockade – inoffizielle Nutzung.

Besser ist:

  • Offizielle Leitplanken definieren
  • Klare Anwendungsfälle auswählen
  • Kleine Pilotprozesse starten
  • Messbare Kennzahlen festlegen

Fünf Minuten Zeitersparnis pro Tag sind 18 Stunden im Jahr.
Bei 10 Mitarbeitenden sind das über 16.000 Euro jährlich.

Und das nur durch Struktur.


Handel: Geschwindigkeit entscheidet

Im Handel ist KI kein Zukunftsthema.
Sie entscheidet über Marge.

  • Preisvergleiche
  • Lageroptimierung
  • Nachfrageprognosen
  • Kundenkommunikation

Wer aus Angst komplett blockiert, verliert Geschwindigkeit.
Und Geschwindigkeit ist Wettbewerb.


Handwerk: Der größte Hebel liegt im Büro

Im Handwerk geht es nicht um Roboter.
Es geht um Struktur im Alltag.

  • Angebote in Stunden statt Tagen
  • Bautagesberichte ohne Tipperei
  • Anfragen vorqualifizieren
  • Wissenssuche statt Zettelwirtschaft

„KI ersetzt keine Menschen – aber sie ersetzt langweilige Arbeit.“

Wenn du deine Büroprozesse sauber strukturierst, ist KI kein Risiko.
Sie ist Entlastung.


Compliance richtig gedacht

Compliance darf nicht „on top“ kommen.
Sie muss technisch verankert sein.

  • Zweckgebundene Vorlagen
  • Rollenbasierte Zugriffe
  • Dokumentierte Freigaben
  • Protokollierte Abläufe

Nicht mehr Regeln.
Sondern bessere Prozesse.

„Nicht die KI macht den Unterschied – sondern die Vorbereitung auf ihren Einsatz.“


Die ehrliche Wahrheit

Viele Unternehmen überschätzen Cyberrisiken.
Und unterschätzen organisatorische Defizite.

KI ist nicht das Problem.
Unklare Führung ist es.

KI verstärkt nur, was bereits da ist.

  • Gute Prozesse werden besser.
  • Schlechte Prozesse werden schneller schlecht.

Mein Fazit für Industrie, Handel und Handwerk

KI-Governance ist wichtig.
Aber Angst ist keine Strategie.

Starte klein.
Definiere einen nervigen Prozess.
Strukturiere ihn.
Automatisiere ihn kontrolliert.

Miss den Effekt.
Skaliere erst dann.

„KI ist kein Chef. Aber sie ist Deine beste Assistenz – wenn Du weißt, wie Du sie einsetzen willst.“

Was bedeutet KI-Governance im Handwerk konkret?

KI-Governance heißt: klare Regeln, wer KI wofür nutzt, welche Daten erlaubt sind und wie Ergebnisse geprüft werden. Im Handwerk geht es weniger um dicke Handbücher, sondern um einfache Leitplanken: keine sensiblen Kundendaten in offene Systeme, klare Rollen, feste Vorlagen und Freigaben bei externen Dokumenten.

Was ist das größte Risiko bei KI im Handwerksbetrieb?

Nicht die KI ist das Hauptproblem, sondern Chaos: unklare Abläufe, Zettelwirtschaft, doppelte Datenerfassung und fehlende Zuständigkeiten. KI macht das nicht besser, sie macht es nur schneller sichtbar. Erst Struktur schaffen, dann KI nutzen.

Welche Daten dürfen Mitarbeitende in KI-Tools eingeben?

Als Faustregel: keine personenbezogenen Daten (zum Beispiel Namen, Adressen, Telefonnummern), keine vertraulichen Projekt- oder Vertragsinfos, keine Zugangsdaten. Für Angebote, Berichte und Texte nutzt du stattdessen Vorlagen mit Platzhaltern oder anonymisierte Inhalte. So bleibt der Nutzen hoch und das Risiko niedrig.

Wie starte ich sicher mit KI, ohne mein Büro zu überfordern?

Nimm einen nervigen Standardprozess (zum Beispiel Angebots-Erstellung, Bautagesbericht, E-Mail-Antworten). Dann: 01) gewünschtes Ergebnis festlegen, 02) Prozess kurz beschreiben (Wer macht was, womit, in welcher Reihenfolge?), 03) Datenquellen klären (welche Texte, Positionen, Stammdaten). Erst danach setzt du KI kontrolliert ein.

Welche Regeln bringen im Handwerk den größten Sicherheitsgewinn?

Vier Regeln reichen für den Anfang: 01) keine sensiblen Daten in offene KI-Systeme, 02) Rollen und Rechte festlegen (wer darf was), 03) Vorlagen statt Freitext-Wildwuchs, 04) Vier-Augen-Prinzip bei Angeboten, Verträgen und Schreiben nach außen. Das ist schneller umgesetzt als jede Grundsatzdiskussion.

Wie verhindere ich inoffizielle KI-Nutzung im Betrieb?

Indem du nicht nur verbietest, sondern einen sauberen, offiziellen Weg anbietest: kurze Betriebsregel, freigegebene Tools, 02–03 geprüfte Vorlagen, klare Beispiele (was ist erlaubt, was nicht) und eine Ansprechperson. Offizielle Leitplanken schlagen heimliche Nutzung.

Welche KI-Anwendungen bringen im Handwerk den schnellsten Effekt?

Die größten Hebel liegen im Büro: Angebote schneller erstellen, Anfragen vorqualifizieren, Bautagesberichte ohne Tipperei, Wissenssuche statt Ordnerchaos, Standard-E-Mails und Protokolle als Vorlagen. Das spart täglich Minuten und senkt Fehler – ohne dass du an der Baustelle irgendetwas umwerfen musst.

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