Fotos bei Kunden aufnehmen: so ist es möglich

Fotos bei Kunden aufnehmen: so ist es möglich

Sinn und Zweck der DSGVO ist es, personenbezogene Daten vor der ungewollten Nutzung zu schĂŒtzen. Das ist gut so und wir sollten aufhören darĂŒber zu diskutieren, ob das uns Spaß macht oder nicht. Ich sehe es wie die UnfallverhĂŒtungsmaßnahmen und die damit verbundene GefĂ€hrdungsbeurteilung: Macht keinen Spaß, ist aber notwendig und sinnvoll.

Im heutigen Hörbuchbeitrag (Podcast) und Blogartikel zeige ich Dir, wie Du Bilder und Videos von Handwerksprojekten vor, wĂ€hrend und nach der Fertigstellung bei Deinem Kunden anfertigen kannst - und das ohne viel Aufwand oder zu viel Rechts-BlaBla. Das betrifft natĂŒrlich auch die Fotos, die Deine Mitarbeiter, Techniker und Monteure und auch Subunternehmer anfertigen.


Die Vorlagen, Formulare und Beispiele darfst Du gerne fĂŒr Dich anpassen. Beachte aber bitte die Hinweise am Schluss des Beitrags. 

Die gute Nachricht

Es hat sich nach der Inkraftsetzung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) im Bezug auf das Fotografieren von Deinen Handwerksleistungen vor, wĂ€hrend oder nach der Erbringung Deiner Handwerksleistung kaum etwas geĂ€ndert. Du darfst und solltest auch weiterhin 
. NICHTS FOTOGRAFIEREN ohne die Einwilligung der EigentĂŒmer.

Mit der DSGVO hat sich deutlich etwas fĂŒr die Anfertigung von Fotos geĂ€ndert, auf denen Personen erkennbar abgebildet sind. Das ist aber heute nicht unser Thema. Wen das Thema interessiert, der kann gleich bis zum Ende des Beitrages vorspulen.

Wir kĂŒmmern uns heute um die Anfertigung von Fotos im Rahmen der

  • Bestandsaufnahme
  • ‹Baudokumentation‹
  • Anfertigung von Referenzbildern‹

Generelles zum Fotografieren 

Bevor Du anfĂ€ngst, bei einem Kunden in seiner Wohnung oder von seinem Haus Fotos zu machen, gebietet es nicht nur die Rechtslage, sondern die Höflichkeit, den Kunden darĂŒber zu informieren zu welchem Zweck Du die Fotos machst und wie Du die Bilder verwenden wirst. Das ist weniger kompliziert, als es sich vielleicht anhört.

Praxisempfehlung Einwilligung Fotoaufnahmen bei der Bestandsaufnahme

Beim Ersttermin und der Besichtigung fragst Du, bevor Du Dein Handy oder Deine Kamera raus holst z.B. „Damit ich bei der Angebotserstellung im BĂŒro mir Ihre Aufgabenstellung noch einmal genau anschauen kann, mache ich ein paar Fotos. Diese werde ich natĂŒrlich nur fĂŒr diesen Zweck verwenden und nicht veröffentlichen. Ist das OK?“. Fertig. Wenn Du (was Du ja immer solltest) einen Planungsauftrag vom Kunden unterschreiben lĂ€sst, dann ist ein zusĂ€tzlicher Hinweis auf diesem Planungsauftrag sicherlich sinnvoll. * Zu diesem Punkt gab es einen spannenden Hinweis nach der Veröffentlichung von Michael Heil. Den Kommentar liest Du weiter unten. 

Beispiel-Text:

ErgÀnzung zum Planungsauftrag
Einwilligung zur Erhebung und Verwendung Ihrer persönlichen Daten.

WĂ€hrend der Erstbegutachtung Ihres Projektes wurden von mir Daten aufgenommen und Fotos bzw. Videos angefertigt. Diese Informationen verwende ich fĂŒr die Erstellung Ihres Angebotes. Wenn es nicht zu einem Auftrag kommt, lösche ich die angefertigten Bilder und Informationen sofort. Wenn es zu einem Auftrag kommt, verwende ich die Bilder bis zur vollstĂ€ndigen Auftragsabwicklung fĂŒr die Einweisung z.B. meiner Mitarbeiter oder der beauftragten Subunternehmer. Sie haben jederzeit das Recht, die Löschung bei uns zu verlangen. In keinem Fall werden wir die Daten öffentlich machen z.B. auf Internetseiten. SelbstverstĂ€ndlich schĂŒtzen wir im Rahmen unserer Datenschutzmaßnahmen Ihre Daten vor unbefugter oder unrechtmĂ€ĂŸiger Verarbeitung durch Dritte.

Bitte erklÀren Sie Ihr EinverstÀndnis zur Erhebung und Verarbeitung Ihrer Daten und den Auftrag zur Anfertigung einer Planung/Angebot mit Ihrer Unterschrift:

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Name, Vorname

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Ort/Datum/Unterschrift

In meinem RechtsverstĂ€ndnis hast Du sogar jetzt mehr gemacht, als unbedingt zwingend nach DSGVO notwendig. Ich argumentiere in diesem Punkt mit der RechtmĂ€ĂŸigkeit der Verarbeitung nach Artikel 6 (1) b) , in dem die DSGVO (https://dsgvo-gesetz.de/art-6-dsgvo/) explizit die RechtmĂ€ĂŸigkeit der Verarbeitung darlegt: „Die Verarbeitung ist fĂŒr die ErfĂŒllung eines Vertrags, dessen Vertragspartei die betroffene Person ist, oder zur DurchfĂŒhrung vorvertraglicher Maßnahmen erforderlich, die auf Anfrage der betroffenen Person erfolgen;“. Kurzum: Du erfasst die (personenbezogenen Daten) im Rahmen der vorvertraglichen Maßnahme, also der Erstellung eines Angebotes. Diesen Standpunkt betrachten merkwĂŒrdigerweise die allerwenigsten Kommentare in der derzeitigen Diskussion. Es gibt hierzu natĂŒrlich auch gegensĂ€tzliche Standpunkte und das bleibt auch so lange so, so lange keine Rechtsurteile zu genau diesem Thema vorliegen.

Praxisempfehlung Aufnahmen wÀhrend der Bauphase - ErgÀnzung Angebot.

In dem Dokument, welches Du fĂŒr die Auftragsannahme durch den Kunden verwendest, empfehle ich einen Absatz mit der ErklĂ€rung Deiner Datenverarbeitung aufzunehmen. Aber.. hey.. verkaufe das Ganze doch positiv und stelle es nicht als Bedrohung dar. Schließlich machst Du die Aufnahmen zum Vorteil und nicht zum Schaden Deiner Kunden.

Beispiel-Text:

Dokumentation der Bauleistung und Datenverarbeitung

Wir arbeiten sauber, zuverlĂ€ssig und mit modernen Kommunikationsmitteln. Wir dokumentieren im Verlauf der Baumaßnahmen anhand von Fotos und Videos die DurchfĂŒhrung. Bilder, die auch fĂŒr Sie und Ihre Bauakte relevant sind, stellen wir Ihnen gerne elektronisch zur VerfĂŒgung.

SelbstverstĂ€ndlich schĂŒtzen wir im Rahmen unserer Datenschutzmaßnahmen Ihre Daten vor unbefugter oder unrechtmĂ€ĂŸiger Verarbeitung durch Dritte und geben sie nur an diejenigen Personen weiter, die mit der AusfĂŒhrung von Leistungen betraut sind. Eine darĂŒber hinaus gehende Veröffentlichung ist nicht vorgesehen. Sie haben jederzeit das Recht, eine Löschung der Daten vornehmen zu lassen, sofern nicht eine gesetzliche Aufbewahrungsfrist z.B. bei Rechnungen dagegen spricht.

Bitte bestĂ€tigen Sie uns mit Ihrer Unterschrift, dass wir diese Bilder anfertigen, speichern und verarbeiten dĂŒrfen.

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Name, Vorname

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Ort/Datum/Unterschrift

Dieser Absatz sollte noch einmal mit einer Unterschrift vom Kunden versehen werden (also mindestens zwei Unterschriften: eine fĂŒr die Annahme des Angebotes, eine fĂŒr die Einwilligung.

Praxisempfehlung Aufnahmen nach der Bauphase – Referenzbilder

Seit gut zehn Jahren empfehle ich aktiv Aufnahmen von durchgefĂŒhrten Handwerksleistungen anzufertigen. Sie sind der beste Beweis fĂŒr Deine LeistungsfĂ€higkeit, sie sind authentisch und nicht gekĂŒnzelt. Bereits mit einem aktuellen (hochwertigen) iPhone oder Samsung Smartphone lassen sich herausragende Bilder anfertigen. 

Gute Fotos ĂŒberzeugen Kunden eher, Dir die Freigabe zu geben

Wenn Du bereits ein paar gute Fotos von anderen Kunden hast - zeige sie unbedingt deinem Kunden. Es ist ein einfaches Prinzip: "Was Andere schon gemacht haben, kann ja nicht so schÀdlich sein" und "Wow, das sieht aber toll aus - Die Fotos bekomme ich doch hinterher auch, oder?" 

Damit Du gute Fotos bekommst, kannst Du einen Fotografen beauftragen. Ich empfehle aber, selbst die Fotos zu machen. Das ist einfacher, als Du denkst. Hier mal ein Beispiel, wie das aussehen kann (Photos aufgenommen mit dem iPhone X) 

Workshopfoto iPhone und iPad Handwerk

Workshopempfehlung, wenn Du selbst fotografieren willst:

FĂŒr die Fotografie mit dem iPhone biete ich Workshops an. Bei Interesse, schicke mir einfach eine kurze Nachricht. 

Wenn es um die perfekte und doch einfache Fotografie von z.B. BĂ€dern geht, empfehle ich den Kollegen Christian Wadsack, der regelmĂ€ĂŸig Tagesseminare zum Thema "Architekturfotografie – Grundlagen, Bildbearbeitung, Umgang mit Licht" anbietet.

FreigabeerklĂ€rung nicht ĂŒbertreiben

Die Freigabe von Fotos kann man erheblich ĂŒbertreiben. Freilich kann man sich rechtlich so absichern, dass kein Kunde jemals die Löschung angefertigten Bilder fordern kann. Aber mal Hand auf’s Herz: Willst Du Dich mit Kunden anlegen und das Risiko schlechter Mund-zu-Mund Propaganda eingehen? Eben! Deshalb hier meine Empfehlung:

Beispiel-Text:

ZustimmungserklÀrung zur Veröffentlichung von Fotos zu Referenzzwecken.

Vielen Dank fĂŒr das Vertrauen in uns als Ihr Handwerksunternehmen. Wir haben die Arbeiten abgeschlossen und hoffen, dass Sie genau so stolz auf das Werk sind wie wir. Ihr Projekt ist fĂŒr uns eine herausragende Referenz. Deshalb bitten wir Sie heute darum, dass wir ein paar Bilder von der ausgefĂŒhrten Arbeit anfertigen und in unsere Referenzliste aufnehmen dĂŒrfen.

Wir versprechen Ihnen:

  • Wir zeigen Ihnen vor der Veröffentlichung alle dafĂŒr vorgesehene Bilder.
  • Sie haben jederzeit auch nach der Veröffentlichung das Recht, Ihre Zustimmung nachtrĂ€glich zurĂŒckzuziehen. Wir löschen dann die Bilder, sofern dies technisch möglich ist, sofort.
  • Wir veröffentlichen die Bilder immer ohne Angaben zu Ihrer Person oder Adresse.
  • Wir unternehmen alles, um uns und Sie vor unerlaubtem Herunterladen und Weiterverbreiten der Bilder zu schĂŒtzen.
  • Wir werden die Rechte an den in das Internet eingestellten Fotos nicht an Dritte verĂ€ußert, abgetreten usw.

Die Veröffentlichung erfolgt im Internet immer nur auf Seiten, die fĂŒr die PrĂ€sentation von Referenzen geeignet sind (z.B. Homepage, Expertenplattformen, soziale Netzwerke) und auf Druckerzeugnissen.

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Handwerksunternehmen, Ansprechpartner

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Ort/Datum/Unterschrift

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Aufnahmedatum, Adresse

Mit Ihrer Unterschrift erklĂ€ren Sie, dass Sie damit einverstanden sind, dass die von der ausgefĂŒhrten Handwerksleistung angefertigten Fotos ohne Entgelt verwertet werden dĂŒrfen.

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Name, Vorname

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Ort/Datum/Unterschrift

Die HintertĂŒrchen und Anwendungshinweise

Klingt doch ganz freundlich, oder? Nun. Der Text hat es in sich und Juristen wĂŒrden vermutlich im Dreieck springen. Es sind ein paar HintertĂŒrchen eingebaut, ĂŒber die ich im Podcast spreche. Auf jeden Fall empfehle ich immer vor der Veröffentlichung die dafĂŒr vorgesehenen Bilder nach der Sichtung an den Kunden z.B. per Mail zu schicken und um eine Freigabe zu bitten.

Was ist bei der Aufnahme von Personen zu beachten?

Wer mehr zum Thema „Fotos, auf denen Menschen zu sehen sind“ wissen will, dem empfehle ich den Blogbeitrag von Lars Riek https://www.ipcl-rieck.com/allgemein/wissen-zur-dsgvo-7-tipps-fuer-fotografen.html und die gefĂŒhrte Podcastdiskussion auf dem Podcast Rechtsbelehrung https://rechtsbelehrung.com/dsgvo-einschraenkungen-fuer-fotografen-rechtsbelehrung-folge-56-jura-podcast/

Weshalb erlaube ich mir, hier Empfehlungen zu geben?

Bedingt durch das Fotostudio, welches ich in Hamburg mit meiner Frau bis zu unserem Umzug betrieben habe, habe ich mich mit dem Thema Recht im Bereich der Fotografie schon viele Jahre beschĂ€ftigt. Zudem berate ich Unternehmer dabei, wie sie ihre Sichtbarkeit im Internet verbessern. DafĂŒr brauchen wir Fotos, die rechtssicher sind. Ich habe also schon einiges an Wissen angesammelt, weise dennoch darauf hin, dass ich keine juristische Ausbildung habe und keine juristische Beratung an dieser Stelle abgebe. Deshalb auch der nachfolgende Absatz:

Wichtiger Hinweis

Alle Formulare und Mustertexte mĂŒssen bitte unbedingt auf den Einzelfall hin geprĂŒft und angepasst werden. In den letzten Jahren hat es keine Probleme gegeben. Eigentlich sichern sie ja auch eher die Rechte der EigentĂŒmer, bei dem Fotos gemacht werden. Trotz alledem kann und werde ich keinerlei Haftung dafĂŒr ĂŒbernehmen, dass die Empfehlungen in diesem Blogbeitrag den von Dir angedachten Anwendungsbereich geeignet und rechtssicher ist.

Die Texte dĂŒrfen zur Anwendung kopiert und verĂ€ndert werden. Eine Verteilung an Dritte ist nur mit Verweis auf diesen Blogartikel und die Übernahme des Abschnitts "Wichtiger Hinweis" gestattet. 

Kommentare und ErgÀnzungen

Michael Heil vom E-Business-KompetenzZentrum fĂŒr Planen und Bauen schreibt auf Facebook: 

" Lieber Thorsten,

Achtung! Ich denke Du solltest das besser nochmal prĂŒfen lassen. Wenn Du nĂ€mlich auf gesetzlicher Grundlage, Art. 6 I lit. b) DS-GVO verarbeitest und holst dann die Einwilligung ein, hast Du dir den RĂŒckgriff auf die gesetzliche Erlaubnis selbst abgeschnitten.

Es gibt keine alternative Rechtfertigung im Datenschutzrecht. Entweder arbeite ich auf gesetzlicher Basis oder auf Basis einer Einwilligung.

Beides gleichzeitig geht nicht.

Konkret: Kunde fragt wegen WDVS fĂŒr die Frontfassade. Einwilligung wird eingeholt, Fotos gemacht, Angebot erstellt.

Soweit so gut, aber jetzt soll nach einem Wasserschaden zuerst der Hof gemacht werden. Jetzt muss der „Bald-Kunde“ bei deiner Version nochmals einwilligen. Gesondert und separat.

HĂ€tte der Handwerker nicht gefragt, sondern nur informiert, dass personenbezogene Daten zur Vorbereitung, DurchfĂŒhrung und Abrechnung des Auftrags verarbeitet werden, erhĂ€lt der „Bald-Kunde“ nur einmal 'ne Info. Viel einfacher und besser. Die kann er sich zu GemĂŒte fĂŒhren oder ignorieren.

Also besser nur informieren, nicht fragen!

Die Transparenzpflicht, hÀlt dazu an, bei Beginn einer DV (Datenverarbeitung) die betroffenen Personen zu informieren, welche Daten zu welchem Zweck, womit und wie lange verarbeitet werden.

Also besser wĂ€re beispielsweise ne „Standard-DatenschutzerklĂ€rung“ in den Bedingungen fĂŒr die Angebotserstellung“ zu integrieren.

Also Kunde ruft an. Macht Termin fĂŒr Besichtigung. Bekommt vorab eine E-Mail/Brief mit TerminbestĂ€tigung und mit Standard-Bedingungen fĂŒr die Angebotserstellung und der Standard-DatenschutzerklĂ€rung zur Info. Fertig. „Der DSGVYo-Drops wĂ€re in der Beziehung gelutscht“


Mach' das nicht !
Auf keinen Fall !

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